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Winterstarre
Die Winterstarre ist ein weiterer, wichtiger Bestandteil der artgerechten Haltung. Jede gesunde europäische Landschildkröte sollte, egal welchen Alters, in die Starre gehen. Im Fall unserer Boettgeris empfiehlt sich eine Dauer von ca. 4 - 5 Monaten. Die Winterstarre (Hibernation) darf nicht mit dem Winterschlaf von Säugetieren verglichen werden. Der Irrglaube, eine Schildkröte müsse sich extra viel “Speck” anfuttern, um so von den Reserven zu zehren, ist aber immer noch weit verbreitet. Eine Schildkröte “fährt” ihren Stoffwechsel auf ein Minimum nach unten, so verliert sie nicht an Gewicht.
Spätestens im Juli sollte der Kot der Schildkröten auf Parasiten untersucht werden , um die Tiere vor der Starre rechtzeitig entwurmen zu können. Erfolgt die Entwurmung zu spät und die Schildkröte hat das Medikament (wegen der verringerten Aktivität im Herbst) nicht völlig ausgeschieden, kann das gesundheitlich Folgen haben. Auch eine stark verwurmte Schildkröte in die Starre zu schicken, kann tödliche Folgen, wie eine schwere Sepsis haben.
Schildkröten im Frühbeet bereiten sich durch die kürzeren und kühleren Herbsttage selbstständig auf die Starre vor. Die Vorbereitungszeit sollte min. 4 Wochen dauern. Die Tiere werden inaktiver und stellen von ganz alleine die Futteraufnahme ein. Eine Schildkröte, die sich im Frühbeet selbst vorbereitet, braucht auch nicht täglich gebadet werden. Wir legen Laub ins Frühbeet und halten alles feucht. So wird es auch im Frühbeet herbstlich.
Folgende Temperaturen herrschen bei uns in dieser Zeit:
1. und 2. Woche: Elstein unter 12 Grad an, Spot 10:00 - 16:00 Uhr 3. und 4. Woche: Elstein unter 10 Grad an, Spot 10:00 - 16:00 Uhr danach: 1 Woche: Elstein unter 8 Grad an, Spot 10:00 - 14:00 Uhr 1 Woche: Elstein unter 6 Grad an, Spot 10:00 - 14:00 Uhr wenn sich sich bis dahin bereits vergraben haben, den Spot noch für ca. 1 Woche 2 Stunden am Tag anschalten. Ist auch danach keine Schildkröte mehr zu sehen, dann können sie in den kalten Keller bzw. Kühlschrank überführt werden.
Wir lassen unsere Schildkröten im Kühlschrank starren. Gerade die Keller von neuen Häusern, sind so warm, dass bei einem warmen Winter nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Stoffwechsel der Schildkröten wieder etwas hochfährt. Das würde unbemerkt zum Hungertod der Schildkröte führen. Im Kühlschrank (natürlich ein separater) dagegen, herrschen konstante Temperaturen. Unsere Schildkröten starren bei 6 Grad in geeigneten Plastikboxen. Gefüllt werden die Boxen mit Erde, Spaghnummoos und Laub. Das Spaghnummoos speichert sehr gut die Feuchtigkeit. Viele Schildkröten verlieren in der Starre deshalb an Gewicht, weil sie es zu trocken haben. Deshalb muss während der gesamten Starre immer wieder die Feuchtigkeit überprüft werden. Wenn die Tiere im Kühlschrank starren ist es wichtig, einmal in der Woche die Kühlschranktür für eine Weile zu öffnen, damit frischer Sauerstoff in den Kühlschrank kommt. Wir kontrollieren regelmässig das Gewicht unserer Schildkröten. Verliert eine Schildkröte 10 % ihres Körpergewichts in einer Woche, dann sollte sie langsam erwärmt werden und danach sofort zum Tierarzt.
Nach ca. 4 Monaten wird die Starre von uns beendet und der Stoffwechsel unserer Schildkröten wieder langsam hoch gefahren. Es ist ganz wichtig das dies langsam erfolgt. Es ist lebensbedrohlich, eine Schildkröte von den kalten 6 Grad direkt in einen Raum mit Zimmertemperatur zu bringen. Wir ziehen erst mal den Stecker des Kühlschranks, belassen die Schildkröten aber erst noch für 1 - 2 Tage im Kühlschrank. Das Frühbeet wird in dieser Zeit aktiviert und die Temperatur auf ca. 12 Grad eingestellt. Gegen abend werden die Schildkröten dann ins Frühbeet überführt und dort eingegraben. Die Temperaturen werden wie bei Technik/Beleuchtung eingestellt. Nach ein paar Tagen buddeln sich die Schildkröten aus der Erde und werden langsam wieder aktiv.
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